Versuch am Grand Cornier

Heute sollte es auf unseren ersten Berg für diesen Urlaub gehen, den Grand Cornier mit 3961m Höhe.  Nach dem gestrigen Gipfel wäre dann aber schon der zweite. Entsprechend früh klingelte unser Wecker, der uns um 2:45 Uhr mitteilte, dass die Nacht nun vorbei sei. Wir frühstückten am äußerst reichhaltigen und guten Buffet der Hütte. Alles war um diese Uhrzeit schon hergerichtet.

Gut gelaunt beim Frühstück um 3:00 Uhr morgens
Das reichhaltige Frühstück zollte dann aber doch seinen Preis und wir standen erst um 3:50 Uhr abmarschbereit vor der Hütte. Diese Zeit von über einer Stunde zwischen Aufwachen und Losgehen ist definitiv verbesserungswürdig. Aber auf der ersten Tour dauert immer alles länger.

Erreichen des Gletschers um 4:50 Uhr
Nach ca. einer Stunde erreichten wir auf dem gleichen Weg wie am Vortag die Gabelung, von der man entweder zum Col du Pigne geht, oder auf den Moirygletscher steigt. Dieses Mal seilten wir uns an und stiegen auf den Gletscher, auf dem wir im Dunkel eine Spur fanden, der wir nach Süden in Richtung des Grand Cornier folgten.

Eingefrorene Miene beim Blick auf den eisigen Weiterweg um 7:00 Uhr
Weitere zwei Stunden später kamen wir langsam in das Licht der aufgehenden Sonne und sahen die Spur, der wir folgten, zum Vorgipfel des Grand Cornier hochziehen. Wir schützten uns noch gegen die Sonne und folgten dann der Spur, welche ich als Trittspuren in der Wand hinaufziehen sah. Ich ging als erster und sah die Tritte immer kleiner werden, bis das Eis aus der Wand hinausguckte und nur noch kleine Löcher von Frontalzacken der Steigeisen zu sehen waren. Der Pickel und auch meine Steigeisen hatten Mühe, sich in dem harten Eis zu versenken. Hierfür waren wir nicht ausgerüstet, da wir laut Führerliteratur nur Firn bis 35° vorfinden sollten.

An einem Felsblock zu unserer Rechten sah ich ein Schlingenbündel. Mir war die Querung ohne Eisschrauben und Sicherung aber zu heikel und wir beschlossen wieder die Wand abzusteigen. Am Fuß der Wand unterhalb des Vorgipfels wollten wir noch einen Versuch unternehmen und querten nach rechts in die Felsen. Dieses Mal ging Chuck vor. Die Felsen waren abschüssig und teilweise sehr lose. Nach ein paar Metern erreichten wir wieder eine Firnpassage, die ebenso eisig war, wie unser erster Versuch. Wir waren verunsichert und hatten ein komisches Gefühl, das uns dazu bewegte, den Rückzug von diesem Berg anzutreten.

Unser Alternativziel, Ponte de Bricola auf 3658m
Als wir wieder in sicherem Gelände auf dem Gletscher waren, beschlossen wir noch einen schönen schmalen Firngrat auf den Ponte de Bricola zu gehen. Dieser Punkt sollte nun mit 3658 Höhenmetern unser Tagesziel werden. Der Anstieg fiel uns deutlich leichter und wir genossen den Aufstieg über den Firn.

Der kleine Gipfel des Ponte de Bricola

Um 10:20 Uhr waren wir auf dem Gipfel. Wir machten eine kurze Pause und stiegen dann wieder über unseren Aufstiegsweg zum Moirygletscher ab. Insgesamt war der obere Teil des Gletschers ziemlich leer und wir trafen nur auf eine einzige andere Seilschaft, welche nach uns den Ponte de Bricola bestieg.

Abstieg über den Moirygletscher
Ein bisschen mehr war im unteren Teil des Gletschers los, auf dem wir unter anderem auf Seilschaften trafen, welche heute die Pigne bestiegen hatten, auf der wir gestern standen. Heute konnten wir auch sehen, dass es gestern keine gute Idee gewesen wäre, ohne Gletscherausrüstung den Südwestabstieg von der Pigne zu wählen.

13:10 Uhr - nach 9:20h wieder an der Hütte
Nach mehr als neun Stunden waren wir wieder an der Moiryhütte. Hier galt es nun noch zu packen und wieder ins Tal abzusteigen. Insgesamt zogen wir nach unserer ersten Tour doch eine positive Bilanz. Wir waren zwar nicht auf dem Gipfel des Grand Cornier, hatten aber dennoch an zwei Tagen jeweils einen schönen Aussichtsgipfel bestiegen und unsere Körper an die Höhe und das Gelände gewöhnt.

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